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"prolog | video|station" anclicken ...

1 - Die Zeit wird reden ...




Da gibt es etwas, was wir eigentlich gar nicht erzählen dürften. Was wir eigentlich gar nicht wissen könnten, gar nicht wissen sollten – und was - wenn überhaupt - für immer oder zumindest für einige Epochen datengeschützt in Archiven versiegelt und einbalsamiert liegt.

Und die Handvoll, die davon weiß oder wusste, sagt oder sagte nichts. Ja - sie empört oder empörte sich nicht einmal: 
Und diese Handvoll Menschen meint: "Da gibt's doch heutzutage nichts mehr zu sagen. Das war die Zeit... - Ach ja - die Zeit - die Zeit war das damals. - Und alle damals waren doch auch Kinder ihrer Zeit... - da musste man einfach mitmachen ..." .
Allem Anschein nach hat diese Gesellschaft das alles doch letztendlich auch erfolgreich verdrängt. Und deshalb sollte man diese ganzen schlimmen Angelegenheiten, die soweit zurück liegen, auch endlich mal ruhen lassen. Nicht dauernd nachkarten, nachfassen, daran herumfleddern. Lasst es endlich auch mal gut sein ... 

Und da werden dann die unschuldigen Opfer oft im Nachhinein zu ihrem damaligen schlimmen real-mörderischen Schicksal oft immer noch als sorgsam gehütetes "Familiengeheimnis" [hier evtl. den Link anclicken zur Info-Station "Familiengeheimnisse & 'Euthanasie'"]  konsequent abgeschottet, eingeschweißt, abgelegt und möglichst stickum vertuscht und verleugnet - wodurch diesen Opfern immer noch keine angemessene Würde und Pietät zugestanden wird - vielleicht aus Scham, weil man denkt, dass an der Nazi-Theorie eines "gesunden Volkskörpers" mit all diesen tatsächlich "irren" Konsequenzen in Bezug auf die Erbkrankheits-Theorien vielleicht doch etwas dran sein könnte - und man selbst als Verwandter dieses einst so äußerst fragwürdig ad-hoc diagnostizierte oder aus einem genealogischen "Ahnenpass" abgeleitete "ewig kranke Erbgut" nun ein für alle mal in sich trägt - oder es selbst weitervererben könnte ... Die betroffenen Familien schweigen sich in der Regel jedenfalls aus, spalten ab, verdrängen und vergessen ...


Aber: "Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst", so hat es Harald Welzer in Anlehnung an Jean Baudrillard allerdings erst in unseren Tagen formuliert: Das Vergessen des Grauens ist also von den NS-Tätern, vom damaligen faschistischen System, implizit mitgedacht und haargenau mit geplant und einkalkuliert worden - war quasi Sinn der Vernichtungsaktionen: Vollständige und totale "Ausmerze" und konsequentes restloses "Niederführen" - diese faschistischen Unworte schließen ja eine endgültige "Tilgung" mit ein: Vergesst die Getöten und Ermordeten - streicht sie aus eurem Gedächtnis: "Glücklich ist - wer vergisst - was nicht mehr zu ändern ist" ... - so heißt es im Text einer längst abgenudelten Operettenschnulze von Johann Strauss in der "Fledermaus", bereits 1874 uraufgeführt ...

Vergangenes ist ja niemals tatsächlich Aus, Schluss und Vorbei ...: Vergangenes bleibt und es ist - immer wenn wir es aufsuchen und damit kultivieren und integrieren in unsere kollektive Bewusstheit...

Und: Mit einem Vergessen all dieses individuellen Grauens wäre ein Großteil der Ziele dieser gnadenlos massenvernichtenden durchorganisierten Mordaktionen tatsächlich erreicht ... denn "Sinn" war ja - störendes Leben für Generationen mit all seinen Wurzeln gänzlich auszurotten - ein für alle Mal - in kollektive Vergessenheit zu bringen - für eine "neue Zeit" ... Das "deutsche Volk" sollte "gesäubert" werden - von allem "Kranken", "Asozialen", von allen "Ballastexistenzen", von allem deviant Abweichenden, von allem was dieses "Volks-Erbgut", dieses "deutsche Blut" belastet ... 

Zum Glück - ... Es ist anders gekommen: Im Sinne des oben genannten Operetten-Schnulzentextes  bin ich vielleicht sogar ein wenig "un-glücklich", eben weil ich nicht einfach "vergessen" mag, weil ich meiner Empörung Ausdruck verleihen will - verleihen muss ...

Nein - die Zeit wird reden. Und all die Opfertoten werden sprechen - in Fotos, in Briefen, in Aussagen, in Akten, auf "Stolpersteinen" - in Gedenkstätten  - z.B. auch aus einer Blauen Glaswand (wie in Berlin), aus Leucht- und Namensbändern (wie mittlerweile in der LWL-Klinik Gütersloh), im Wander-Denkmal der "Grauen Busse", in regionalen und überregionalen Gedenk- und Wanderausstellungen...  Diese Opfertoten tanzen durch unsere Gedanken - wie Flaschengeister aus dem orientalischen Märchen, die trotz der sicher geglaubten Verkorkung durch das familiäre Verdrängen und Vergessen irgendwie unbeabsichtigt - nach und nach- nach draußen gelangen - in die Gedankenwelt der Lebenden bringen sie sich durchs Erinnern. Sie leben um uns herum - sie (be)rühren uns ...

Dem gewaltsamen Ableben meiner Tante Erna Kronshage im Februar 1944 werde ich hier in diesem Blog - Stück für Stück - nachspüren, soweit mir das je gelingen wird - noch "blinde Flecken" zeit- und forschungsgemäß aktualisieren... Und ich werde mich über das ihr erlittene Unrecht - mit aller Kraft - endlich empören.










Zu Anfang nun die Erinnerungen meiner Mutter Martha zum plötzlichen Tod ihrer jüngsten Schwester damals, die sie gut 40 Jahre nach diesem Geschehen - auf meine drängenden Fragen hin - nur widerwillig versuchte so zu rekonstruieren ...: 
„Erna - unser Ernchen - die starb wohl an Lungenentzündung, ich meine in Stolp *) (Ostpreußen) - das hab ich immer noch so im Ohr - kann auch woanders gewesen sein, jedenfalls im Osten das war wohl so eine Irrenanstalt, ein Krankenhaus, ein Sanatorium – na so eine Heilanstalt eben - der genaue Name stand in dem Telegramm, das Mama und Papa damals erhielten - aber den weiß ich nicht mehr. Man hatte sie dahin verlegt. Vorher war sie ja in Gütersloh, da in der Heilanstalt. Das ging da zu Hause nicht mehr mit ihr. Unsere Mama musste sie ja damals wegbringen lassen. Von der Braunen Gemeindeschwester. So nannte man die damals vom NSV. Ach, ich weiß nicht mehr wie die hieß. Und dann soll Ernchen ja sogar mit einem Messer – ja - mit einem Messer herumgefuchtelt haben – so im Jähzorn, weil sie gar nicht mehr arbeiten wollte ... Sie war so unzufrieden und undankbar. Aber Mama war doch auf sie angewiesen. Also so Genaues weiß ich auch nicht mehr. Das war ja alles eine schlimme Zeit, eine schlechte Zeit. Und die Männer waren alle an der Front – auch dein Vati - und meine Brüder - meine Onkel – und unser Papa war ja auch wegen seines Asthmas kriegsuntauglich - aber er war ja auch schon über 60 Jahre alt. Und dann kam da eines Tages ein Telegramm, sie sei da im Osten plötzlich verstorben. Und Papa hat sich dann sofort dafür eingesetzt, dass Ernchen von da im Osten zu uns hierher überführt wurde. Und erst hat man gesagt, das ginge nicht, aber dann hat das wohl doch geklappt. Aber Mama hat darauf bestanden, in den Sarg zu schauen, wie Ernchen aussah, ob man was sehen könnte, als sie dann nach Zuhause überführt worden war. Ich hatte ja die kleinen Kinder und konnte nicht mit zur Beerdigung gehen - weil Georg ja auch noch im Krieg war ... Und Heini, der hat wohl dann mit Papa den Sarg heimlich geöffnet. Der war nicht im Krieg, der war wohl freigestellt vom Fronteinsatz - "uk" oder wie das damals hieß. Der war ja Schreiner genau wie Papa und sie hatten das Werkzeug, um den Sarg heimlich zu öffnen. Aber sie hätte noch gut ausgesehen, unser Ernchen – ich meine so als Leiche an sich. War ja auch sehr kalt auf der Fahrt. War im Winter – und dann ihre Leiche in einem Sarg - in einem Güterwaggon ... Der Überführungswaggon war damals wohl fast vierzehn Tage unterwegs - bis dass er hier ankam. Es war ja auch Krieg, und dann kam der ja aus dem Osten, das dauerte. Und die Züge wurden ja damals beschossen und angegriffen. Die mussten manchmal tagsüber in einem Waldstück auf dem Gleis stehen bleiben und in Deckung gehen – und konnten nur nachts ihre Fahrt fortsetzen. Der Waggon wurde einfach an andere Züge angehängt - bis er eben hier eintraf. Papa hatte darauf bestanden, dass seine Jüngste zu Hause im Heimatsand im Familiengrab beerdigt würde. Die haben wohl auch die Arme der Erna-Leiche nachgeguckt und die Ellenbeugen, aber da hat man keine Einstiche von Todesspritzen gesehen. Und da waren auch keine Wunden oder Operationsnähte zu sehen. Und, das hat Mama immer wieder erzählt, Erna habe wohl zuletzt nichts mehr zu essen bekommen – sie sei stark abgemagert und nur noch 'Haut und Knochen' gewesen ...“
*) bei der Ortsbezeichnung Stolp irrte sich meine Mutter Martha - wie ich aus einem Brief vom 16.Januar 1986 des LWL Provinzialinstituts für Westfälische Landes- und Volkskunde - Wissenschaftliche Hauptstelle - durch Herrn Dr. Karl Teppe erfuhr: Erna wurde nicht in Stolp sondern in Gnesen, damals Reichsgau Posen, in der damals so benannten Gauheilanstalt "Tiegenhof" - wie wir heute wissen - ermordet ...
 Herr Teppe schrieb schon 1986: "Es gibt keinen Hinweis auf "Euthanasie" bei Ihrer Tante, aber der Verdacht liegt sehr nahe. Immerhin lag die Todesrate bei den [von Gütersloh nach Tiegenhof am 12.11.1943] verlegten Personen bis Ende 1944 bei 80 %"... ]
... soweit Marthas subjektive Wahrnehmung vom Geschehen um Erna / um "Ernchen" - ihrer "kleinen" und jüngsten Schwester ...

Und wenn man es sich leicht machen möchte ist das schon eigentlich die ganze "Story" in Kurzform - und z.B. wie im WDR-Lokalzeit-Beitrag vom 09.10.2014: "in 5 Minuten alles erzählt" ... - wenn das nicht doch alles wesentlich komplizierter wäre ... - 

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(siehe dazu auch die "prolog|video|station" (anclicken) mit der YouTube-Playlist bestehend aus 6 Themen-Videos bzw. Slideshows - auch zur Auswahl - mit insgesamt ca. 60 Minuten Länge: 
insgesamt vielleicht als Einführung in das doch recht komplexe Gesamtthema) ...

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Fotos: Fichten am Mühlenkamp (privat) -  "Mühlenkamp" - Wohnhaus der Kronshages in Senne II (privat) -

2 - "Todesursache unbekannt" ...





Schon oberflächlich betrachtet fällt an der bruchstückhaften und halbverdrängten Erinnerungsschilderung von Ernas Schwester Martha zum plötzlichen Tod dieser jungen Frau etwas auf, die ja dort in einer "Heilanstalt" im Osten angeblich an einer "Lungenentzündung" ums Leben gekommen sei - wie sich Martha das zumindest gut 40 Jahre später als Todesursache für sich zurechtgelegt hatte - dass nämlich die Familie scheinbar doch Gründe genug damals dafür hatte, solche offiziellen amtlichen Erklärungen anzuzweifeln und deshalb mit einer eigenen damals bestimmt illegalen und verschwiegenen laienhaften Inaugenscheinnahme selbst nachzuprüfen, ob man eben vierzehn Tage nach diesem plötzlichen Ableben  noch vielleicht offiziell verheimlichte Unregelmäßigkeiten, wie etwa Einstiche oder andere Manipulationen in der welken Leichenhaut oder irgendwelche Operationsnähte an dem Leichnam fand ... 

Nach der rigoros durchgeführten Zwangssterilisation misstraute die Familie anscheinend den amtlichen Angaben zum Ableben Ernas - und hatte ja auch allen Grund dazu ... 

Die Familie wollte sich nun eben selbst überzeugen, ob an den Gerüchten über die vielen zweifelhaften Todesfälle und auch den angeblichen Verwendungen als "Versuchskaninchen" der  Menschen dort in den Heilanstalten etwas dran war ... War doch Erna eigentlich körperlich kerngesund erst 17 Monate zuvor in die Anstalt in Gütersloh eingeliefert worden. Und nun dieses abrupte Ende, 630 Kilometer entfernt. Und die Kronshages wollten sich natürlich vergewissern, auch ob denn überhaupt tatsächlich die sterblichen Überreste von Erna in dem Sarg waren, der da auf den Krackser Bahnhofsgleisen in einem Packwaggon der Deutschen Reichsbahn nach 600 Bahnkilometern Überführungsweg angekommen war - und wofür sie ja alle "entstehenden Kosten" zu tragen hatten ...
  
Es ist aber auch möglich, dass man Ernas Leiche aus einem "amtlichen" Transportsarg nun in einen vielleicht sogar in der Schreinerwerkstatt vom Vater und Bruder selbstgefertigten Sarg umgebettet hat - und dabei diese von Zeitgenossen zweifelsfrei bezeugte Leicheninspektion durchführte - das lässt sich vom Ablauf her nicht mehr im Einzelnen rekonstruieren... 

Bei den Machenschaften damals (s. Stichwort "Millionen-Becker" *)) kann es sogar durchaus sein, dass Erna Kronshage womöglich bereits Anfang Februar 1944 umgebracht wurde - und der Termin erst nachträglich auf den 20.02.1944 umdatiert wurde ... - aber außer dem beurkundeten Todeszeitpunkt liegen in Tiegenhof/Dziekanka keine anderen amtlichen Unterlagen vor ...

Die "Leichenschau" zu Hause musste klammheimlich und ohne jedes Aufsehen geschehen - und dazu gehörte Mut und unbedingte Verschwiegenheit - und eine gehörige Portion "Verschlagenheit" in dieser NS-Zeit. Die Familie vermutete nämlich hinter vorgehaltener Hand, dass man den Leichnam der Jüngsten vielleicht für Versuchszwecke durch NS-Ärzte in der Ost-Anstalt missbraucht habe. 

Und man kann sich die Situation dieser privaten Leichenschau ausmalen, wie der Sarg da in der Schreinerwerkstatt von Papa Adolf im Mühlenkamp von ihm und seinem Sohn Heinrich geöffnet wurde, nachdem man ihn bei Nacht und Nebel aus dem "nach Bitten und Betteln" passend vor das Grundstück rangierten Packwaggon der Reichsbahn ausgeladen und gehievt hatte. Und einer stand an der Brettertüre und hielt Wache. Und Ernas Bruder Heinrich - für das Militär "uk-gestellt" - brach die Siegelmarken der Irrenanstalt am Sarg auf - auf denen der Reichsadler prangte. Und schraubte den Deckel ab, und inspizierte die Leiche in der schummrigen Beleuchtung. Wahrscheinlich hatten sie keinen Arzt geholt - und sie hätten wahrscheinlich auch keinen Arzt mobilisieren können - und wahrscheinlich war auch der Pastor nicht zugegen. Und Anna, die Mutter, die „Mama“ wie sie von allen elf Kindern zärtlich aber auch ehrfurchtsvoll genannt wurde, schaute ihnen bei der Begutachtung über die Schulter. Und alle Anwesenden stellten flüsternd laienhafte Diagnosen auf und gaben Beurteilungen ab.
























Das Ganze war ein makabres düsteres Motiv, wie es zum Beispiel bereits ähnlich von Rembrandt oder später auch von Picasso und dann von Käthe Kollwitz und im Norden von Edvard Munch erdacht und komponiert und zur Leinwand gebracht worden war: Hier diesmal der geöffnete Sarg auf zwei Böcken vor der Kulisse einer wändehoch reichlich ausgestatteten Tischler- und Schreinerwerkstatt mit offenen Regalen voller wohlgeordneter, im schummrigen Funzellicht dunkelglänzender Holzbearbeitungswerkzeuge - verschiedene Hobel, Winkel, Schlägel, Hammer, Raspeln, Stecheisen usw. Und nach der privaten Inspizierung wurde der Sarg dann auf der Deele des Mühlenkamps aufgebahrt, von wo die Leiche Erna Kronshages dann "offiziell" am Sonntag, dem 05.03.1944, mit der örtlichen Leichenkutsche abgeholt und zum Friedhof in Senne II gebracht wurde, wo die Beerdigung nachmittags um 15.00 Uhr stattfand.


Der "offiziell" amtlich mitgeteilten Todesursache mit "Allgemeine Erschöpfung" wurde von der Familie offensichtlich kein Glauben geschenkt. Man inspizierte und forschte...

Und doch: all diese Zweifel und all dieses Misstrauen und all die Aktivitäten schlugen sich in jener Zeit des Verschweigens, des Abspaltens und des Vergessen-Müssens lediglich als eine ganz "normale" Todesanzeige - 1-spaltig/60 mm hoch - in der Tageszeitung nieder ... eigentlich genauso wie die Todesanzeigen für die "Gefallenen" an der Front damals - nur das Zeichen des "Eisernen Kreuzes" fehlte: "Fern der Heimat starb plötzlich und unerwartet nach langer, schwerer Krankheit " - aber der in der Sterbeurkunde angegebene Todestag, der 20.02.1944, wurde verschwiegen... 
Und dabei hatte der Vater Adolf Kronshage doch eine "Krankheit" seiner Tochter Erna in vielen Briefen an die Anstalt Gütersloh und an die Erbgesundheitsgerichte stark bezweifelt und immer wieder auf eine Entlassung aus der Anstalt gedrungen - bis hin zum (wenigstens angedrohten) Widerstand - was in diesen Zeiten durchaus Mut und Zivilcourage erforderte ...

Lediglich im Sterbebucheintrag der Kirchengemeinde Senne II vom 05.03.1944 verzeichnete Pastor Holzapfel den Hinweis "Todesursache unbekannt. Sie starb in einer Anstalt für Geisteskranke in Tiegenhof, Krs. Gnesen" - zur damaligen Zeit sicherlich auch Ausdruck eines "stillen Protestes" - denn die amtliche Todesursache: "Erschöpfung" war ja dem Pastor durch die amtliche Sterbeurkunde durchaus bekannt ... s. auch Abschnitt 24:


"Todesursache unbekannt - Sie starb in einer Anstalt für Geisteskranke in Tiegenhof, Kr. Gnesen."

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Aber mit dem Tod des Vaters, "Papa" Adolf Kronshage, - 4 Monate später, im Juni 1944, mit 68 Jahren - verschwand der "kritische" Geist zum Ableben Ernas auch in der Familie oder wurde zumindest erfolgreich verdrängt. Im Weiteren wurde dieser als "eigenartig" und "plötzlich" erfahrene Tod Erna's schamhaft verschwiegen und nur auf ausdrückliche Anfrage bruchstückhaft und widerwillig kommuniziert.



Fotos: Von Oben nach Unten: Ansicht einer typischen Diele/Deele in Ostwestfalen-Lippe - ähnlich der im Mühlenkamp - Ouelle: Wikipedia/Wiki/Kalletal - Packwaggon der Deutschen Reichsbahn (verändert) (Google-Bildersuche) - Schreinerwerkstatt http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/63/Schreinerwerkstatt_Boos_Aulendorf.jpg - Siegelmarke "Irrenanstalt" Tiegenhof/Dziekanka, Gnesen, Provinz Posen (Privat) - Leichenschau Face = Verwendung eines Fotos von http://leichenschau.medicalpicture.de/ - Die heimliche Leichenschau (Verwendung Fotoausschnitte von "gute frage.net" & von (c) dpa/tz-online - V)



In den bürokratisch voll durchorganisierten Abläufen nach dem von der Zentralstelle der NS-"Euthanasie" T 4 (Tiergartenstraße 4) mittels der Tarnorganisation „Zentralverrechnungsstelle Heil- und Pflegeanstalten“ (ZVSt) (befasst mit  der Abwicklung der Kosten mit den Anstaltsträgern unter Leitung von Dietrich Allers und als Vertreter Hans-Joachim Becker [Stichwort: "Millionen-Becker" *) =] verfassten "Rundschreiben vom 10. 7. 1943, B. Ru 5, 'Merkblatt für die Aufnahmeanstalten von Geisteskranken aus anderen Reichsgebieten', Direktionsregistratur 1382/43, M. Abt. 209, WstLA" - wird das alles penibel genau be- und vorgeschrieben - z.B. unter VI. Verschiedenes - b): ...  
..."Leichenüberführungen: Bestehen Angehörige trotz der schwierigen Verkehrslage auf Überführung der Leiche, so haben sie alle entstehenden Kosten zu tragen."
*) Stichwort "Millionen-Becker": In seiner Aussage vom 4. März 1947 vor der Staatsanwaltschaft Kassel erklärte Becker: „Man hatte bei der Tötung von Geisteskranken an alles mögliche gedacht, aber auf dem Abrechnungssektor war eine Tarnungslücke übrig geblieben ... Ich wurde dringend gebeten, doch wenigstens dem Verwaltungsdurcheinander abzuhelfen ... Bei dieser Gelegenheit erkannte ich, wie völlig ahnungslos die offenbar alle aus Parteikreisen stammenden leitenden Persönlichkeiten in verwaltungsmäßiger Beziehung waren.“ Als Lösung schlug Becker die Gründung einer „Zentralverrechnungsstelle Heil- und Pflegeanstalten (ZVSt)“ als weiteres Schein-Unternehmen der Zentraldienststelle-T4 vor, die die Abrechnung mit den Kosten- bzw. Rententrägern zentral vornahm. Diese organisatorische Neuregelung brachte drei entscheidende Vorteile mit sich:
  • Arbeitserleichterung für die diversen Aufnahmeanstalten und Kostenträger
  • Ausgleich der unterschiedlichen Pflegesatzhöhen beim Anstaltswechsel
  • Beitrag zur Geheimhaltung des Krankenmordes, da den Kostenträgern die tatsächlichen Sterbeorte nicht mehr bekannt wurden.
    Nebenprodukt dieser Zentralisierung war weiterhin die Möglichkeit durch fingierte Sterbedaten noch für Zeiten nach dem Tod der Patienten die Unterbringungskosten von den Kostenträgern einzufordern. In der fortgeschrittenen Praxis wurde das offizielle Sterbedatum um etwa zwei Wochen über das tatsächliche Todesdatum hinausgeschoben. Die so gewonnenen „Mehreinnahmen“ beliefen sich auf eine erhebliche Höhe und trugen Becker den Spitznamen "Millionen-Becker“ ein.(WIKIPEDIA)
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    3 - Verortung

     
    Mühlenkamp um 1940 - Foto von Ewald Kronshage 























    Einfahrt zum Mühlenkamp 2010 | von der Verler Straße, BI-Sennestadt
    Ausschnitt aus: GOOGLE-STREET-VIEW














    Geburts-/Taufurkunde - zum Vergrößern clicken
    Erna Kronshage wurde am Dienstag, dem 12. Dezember 1922, gegen 21 Uhr ("nachmittags 9 Uhr"), in Kracks, Senne II, Nr. 6, Amt Brackwede, Landkreis Bielefeld (heute: Bielefeld-Sennestadt), als elftes Kind der Eheleute Anna und Adolf Kronshage (im Tierkreiszeichen Schütze - Aszendent Löwe) geboren, in der Hofstatt "Mühlenkamp", heute Verler Straße 76.
    Der Dezember 1922 wird in historischen Wetteraufzeichnungen für Ostwestfalen als ein "milder Monat" bezeichnet, nachdem es im Oktober/November bereits Frost gegeben hatte.

















    Reproduktion aus dem Heimatbuch SENNESTADT, Hrsg. Sennestadt-GmbH, 1980: Das Gehöft "Senne II No. 6" in der Gemarkung Kracks, an der heutigen Verler Straße, früher Bahnhofstraße, der "MÜHLENKAMP" genannt - Geburtshaus und Wohnsitz von Erna Kronshage - nach einer Graphik von Horst H. Wasgindt, 1980 - Die Bildunterschrift zum Mühlenkamp im Original 1980: "In besonders gutem Zustand ist auch der Kotten von Westerwinter kurz vor dem Bahnübergang. Dieser Kotten ist vielen Senner "Fahrschülern", die mit der Bahn zu ihrer Schule nach Bielefeld fuhren noch in guter Erinnerung, stellten sie doch ihre Fahrräder bei "Oma Kronshage" unter und flitzten dann schnell über die Gleise zum wartenden Zug."


    Mühlenkamp 2012 (Verler Straße 76 - früher: Senne II, Nr.6) 










    Die bebauten Felder der Familie Kronshage hinter dem Mühlenkamp - hier: ähnliche Ansicht zum Waldrand Richtung Fa. Brinkmann

     


    Evangelische Kirche zu Senne II - (heute Kreuzkirche zu Sennestadt) - Ernas Tauf- und Konfirmationskirche

    So "malerisch" sieht es heute an der ehemaligen Sägemühle Westerwinter aus (s. dazu auch Abschnitt 8 "...Bomben...") - in Nachbarschaft zum Mühlenkamp, dem Geburtshaus Erna Kronshages - Bildquelle: unter Verwendung eines Fotos aus dem Wanderführer "Wandern in Sennestadt", 2010

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    Am Neujahrstag 1923 wurde "ERNA" in der Kirche zu Senne II getauft von Pastor Jansen - Paten waren Ernas Schwestern Anna und Lina (s. Geburts- und Taufurkunde - oben)

    Und am 21.03.1937 (Sonntag Palmarum) wurde Erna Kronshage in der Kirche zu Senne II von Pastor Holzapfel konfirmiert. Der Konfirmationsspruch lautete:
    "Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm."
    (1. Joh. 4,16).


    Die Flurbezeichnung "Kra(c)ks" - ursprünglich der Name des Grundbesitzers, auf dem der Bahnhof gebaut wurde, und dem die meisten Ländereien rundum gehörten - ist inzwischen untergegangen und wird nur noch manchmal zur Bezeichnung des nahegelegenen benachbarten Bahnhofs jenseits der Bahnschienen benutzt.



    Bahnhof "Kracks" - heute "Sennestadt" - Aufnahme aus Sicht der von Familie Kronshage bebauten Ackerflächen - Von den Gleisen aus gesehen - Bildquelle: Verscheide/Peters: Zwischen zwei Magistralen, SH-Verlag 1995, S.82

     
     
    Typische Deelenansichten, ähnlich dem "Mühlenkamp" - Bildquelle u.a.: DIE SENNE, Wehrmann, 1985

    Die Behausung, in die Erna hineingeboren wurde, war nach unseren heutigen Maßstäben äußerst karg eingerichtet. Kleine selbstgeschreinerte Schränke für das was man brauchte. Das Arbeits- und Alltagsschuhwerk aller bestand aus einfachen Holzschuhen, aus "Holschken", im Winter wie im Sommer, die Kleidung war zwar ausreichend aber doch insgesamt auch einfach und dürftig und immer wieder durch die Hausschneiderin und Wäscheflickerin instandgesetzt und aufbereitet. Für Sonn-, Fest- und Feiertage gab es dann noch die Festtagskleidung und die „guten“ Schuhe, und das wars dann auch schon.


    Typisches Arbeitsgeschirr




    Typisches Schlafzimmer - ähnlich der Ausstattung im "Mühlenkamp" - Foto: Achim Schmidtmann, Freilichtmuseum Detmold

    Es gab aber auch ein Nadel-Grammophon zum "Musikmachen". Die Brüder Ernas hatten teilweise Musikinstrumente. Und es gab für die Nachrichten und die "Pflichtreden" des "Führers" den "Volksempfänger" ...
    Abends - zum "Feierabend" - saß die Familie zusammen, spielte Grammophon, stopfte und strickte und las die Tageszeitung - das Fernsehen gab es ja noch nicht ...



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    Volksempfänger" - um 1935/1940 - Quelle: http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/481609   - darunter: Gemälde von Paul Matthias Padua, 1939, Anhören der "Führer"-Rede - www.thirreichruins.com




    Ausschnitt aus der Topographischen Karte 1:25.000 "4017 Brackwede" - Ausgabe 1947, mit "Kracks" als Gemarkung in SENNE II - links an der Bahnlinie am Bahnhof Kracks ein roter Punkt: "Mühlenkamp" ... - darüber: Fotorepro LWL: typische Feierabendszene Anfang/Mitte des 20.Jhrdt.

    Ein ähnlicher Ausschnitt GoogleEarth heute: Der "Mühlenkamp" gekennzeichnet mit einer "Gelben Nadel"


    Ein ähnlicher Ausschnitt aus einer Wanderkarte - Quelle: "Wandern in und um Sennestadt", Sennestadtverein 2010 - (c) Vermessungs- und Katasteramt Bielefeld 5/2010

    Erna Kronshages unmittelbare Umgebung - Ausschnitt aus obiger Wanderkarte, 2010
    (gekennzeichnet auch der inzwischen gelegte "Stolperstein" für Erna Kronshage - an der Ecke Kreuzung Verler Straße/Krackser Straße/Fußgängerüberweg Richtung Bahnhof - s. Sideboard rechts)


    Die typischen Sandwege und -"Straßen" in Senne II zur Zeit Erna Kronshages - Bildquelle: DIE SENNE, Wehrmann, 1985

     
    Die Bahnhofstraße in Kracks/Senne II, an deren hinterem Ende rechts der Mühlenkamp lag und gegenüber der Bahnschienen dann der Bahnhof Kracks - dann: Die Kirche mit Gasthof Ramsbrock und Gemeindevertretung - Das "Sennebad", in dem Erna Kronshage sicherlich schwimmen ging, ca. 200 m vom Wohnkotten entfernt - Blick über die neu erbaute Reichsautobahn zum sogen. "Bielefelder Berg", heute A 2 - Anschlussstelle "Bielefeld-Sennestadt" - Quelle: Ansichtskarten von 1942

    4 - Die Familie


    (Vergrößern: Auf das Bild clicken)

    Obere Reihe - von links nach rechts: Johanne *1913, Martha *1911, Frieda *1909, Emma *1906, Lina *1903, Heinrich *1905, Wilhelm *1917, Ewald *1919
    Untere Reihe - von links nach rechts: ERNA *1922, Anna *1902, Mama Anna *1879, Papa Adolf *1876, Adolf *1899

    5 - Photoalbum

































    Da steht Erna als etwa fünf- oder sechsjährige im Garten hinterm Mühlenkamp – so wie eine eingefrorene Pirouettendrehung in Holzschuhen - "Holschken" ...

    Auf dem großen Familienfoto, auf dem man sich zum Ablichten hinter dem Mühlenkamp-Gebäude platziert hat, ist Erna als zweite von links zu erkennen. Sie lächelt ins Objektiv wie fast alle anderen Personen auch, wahrscheinlich auf Geheiß des Fotografen, der das Foto scheinbar mit einer Plattenkamera aufgenommen hat, vielleicht so um 1930. Somit wäre Erna damals ungefähr acht bis zehn Jahre alt. Es scheint, als trage sie zu diesem besonderen Anlass halbhohe offene Schnürstiefel ...

























    Als nächstes folgen zwei Bilder anscheinend von einem Schulausflug: Es sind über siebzig Personen erkennbar und wahrscheinlich der Lehrer oder sein Kollege im Hintergrund mit Stehkragen und Fliege. Und in der dritten Reihe von oben, ganz links, steht erkennbar die kleine Erna (s. Pfeil), vielleicht genau so alt wie auf dem Familienfoto, in einem weißen Kittelkleid, die langen Haarzöpfe wahrscheinlich nach hinten zum Knoten aufgesteckt.















    Ähnlich "gekonnt" schaut sie im zweiten Ausflugsfoto. Man erkennt ihr Gesicht als ca. Dritte von rechts in der dritten Reihe von unten (und oben) (s. Pfeil).






    Dann folgt ein Bild, das Erna Kronshage, vielleicht fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, im Garten hinter dem Haus - am Brunnen die Wäsche waschend -  zeigt ... (s. auch Titelbanner oben des Gesamtblogs)



    Es gibt dann eine Serie von drei Fotos, die Erna zweimal in Begleitung mit ihrer Schwester Martha ausweisen, immer an dem obligatorischen Leiterwagen von ehedem. Erna wirkt auf diesen Fotos vielleicht sechzehn oder siebzehn Jahre alt, die Schwester Martha ist jedenfalls elf Jahre älter.
    Erna geht gekonnt mit dem Handleiterwagen um, rangiert ihn an der Deichsel um einen Baum vorm Mühlenkamp. Im Hintergrund ist das Nachbarhaus erkennbar und das angebaute „Schweinehöffken“. Stroh liegt auf dem Hof. An den Bänken unter den hohen Eichen lehnen die Fahrräder der Berufspendler, die dort ihre Vehikel von Mama Anna und Erna sicher behütet wissen, wenn sie vom gegenüberliegenden Bahnhof Kracks jeweils in den Zug nach Bielefeld oder Paderborn steigen.






















    Auf einem Foto zieht Erna den Handwagen auf der damals noch unbefestigten Straße Richtung Ortsteil Heideblümchen bzw. Gemeinde Schloss Holte, wahrscheinlich auch um gleich zu Winters Mühle nach rechts abzubiegen. Im Hintergrund rechts ist nun der Mühlenkamp zu erkennen, links steht ein Wohnhaus mit Ladengeschäft, das heute längst der Verkehrsführung dieser inzwischen vielbefahrenen Kreuzung mit Ampelanlage und Eisenbahnschranken im Bereich der heutigen Bahnstation Bielefeld-Sennestadt an der Gleisanlage der Senne-Bahn zwischen Paderborn und Bielefeld-Brackwede weichen musste. Rechts von diesem Wohnhaus liegt hinten der damalige Bahnhof Kracks. Hinten im Kreuzungsbereich liegt seit dem 06.12.2012 ein "Stolperstein" zum Andenken an Erna Kronshage ...

    "Unser Hauses Sonnenschein" ...


    Es sind keine Zöpfe oder Kringel unter dem Militär"schiffchen" auszumachen, dass sie sich wahrscheinlich scherzhaft von einem ihrer inzwischen zum Militär eingezogenen Brüder bei einem Urlaubsbesuch ausgeliehen hat. Auf der Rückseite des Fotos hat der Bruder Ewald geschrieben: "Unser Hauses Sonnenschein!!! - Aug. 1940".Alle vier Söhne waren nach Angaben von Papa Adolf damals „im Feld“ - ein Sohn ist „im Feld gefallen“, wie man den Tod der Soldaten damals auszudrücken pflegte.

    Nun folgt eine Serie von Fotos, auf denen Erna in immer dem gleichen halblangen wahrscheinlich dunkelblauen Festkleid abgelichtet wurde. Auf einem Hochzeitsfoto ist sie in eben diesem Kleid neben der Braut, ihrer Schwester Johanne (Hanna), als Brautführerin zu sehen.
    Sie lächelt den Betrachter offen an, vielleicht eine Spur verunsichert ob dieser Rolle, denn zur Brautführerin wurden damals wohl diejenigen Personen erkoren, mit deren Heirat demnächst zu rechnen sei.



    Zwei weitere Fotos zeigen sie in diesem Kleid. Einmal trägt sie, wieder hinter dem Mühlenkamp, wahrscheinlich einen ihrer Neffen auf dem Arm, was darauf hindeutet, dass dieses Bild vielleicht im Frühjahr 1940 gemacht worden ist. Ein weiteres Foto, wahrscheinlich am gleichen Tag aufgenommen, zeigt sie fröhlich mit ihren Schwestern in einer Reihe. Ein Porträtfoto schließlich zeigt sie wieder in diesem Festkleid. 




    Dies ist nun das letzte erhaltene Foto von Erna - sie hat sich herausgeputzt - oder war von einer ihrer Schwestern herausgeputzt worden - sie hat sogar Lippenstift aufgelegt, was in ländlichen Gegenden seinerzeit nicht unbedingt üblich war und ihr aktiv extravertiertes vielleicht etwas "aufmüpfiges" Selbstbild unterstrich - und aus dem bis dahin übriggebliebenen und übersehenen Aschenputtel als schwerstschuftende "Dienstmagd" bzw. "Haustochter" auf dem Hof - war eine attraktive intelligente Schönheit geworden - aber niemand schaute gebührend hin - und dazu war leider nicht die rechte förderliche Zeit ...

    Insgesamt spiegeln die dreizehn Fotos das normale Heranwachsen einer jungen Frau. Wir sehen sie des Öfteren in heiteren Zusammenhängen, auch bei der Arbeit. Ihre hellen Augen blicken klar und freundlich und treten mit dem Betrachter in Kontakt. Sie wirkt eigentlich nie zerfahren, getrieben, überfordert oder gestresst.