Da gibt es etwas, was wir eigentlich nicht erzählen dürfen und können. Was wir eigentlich gar nicht wissen können, gar nicht wissen sollten – und was eigentlich für einige Epochen datengeschützt in Archiven einbalsamiert wurde.
Die, die davon wissen, sagen nichts. Ja - sie empören sich nicht einmal. Da gibt's doch nichts mehr zu sagen. Das war die Zeit. Ach ja - die Zeit war das damals. Und alle damals waren doch Kinder ihrer Zeit. Das alles ist doch nun mal erfolgreich verdrängt. Einiges muss man ruhen lassen. Nicht dauernd nachkarten, nachfassen, daran herumfleddern. Lasst es endlich mal gut sein.
"Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst", so hat Harald Welzer in Anlehnung an Jean Baudrillard allerdings erst in unseren Tagen formuliert: Das Vergessen des Grauens ist also von den Tätern, vom faschistischen System, implizit mitgedacht und mit bearbeitet worden - war quasi Sinn der Vernichtungsaktionen: "Ausmerze" - dieses faschistische Unwort schließt ja die endgültige "Tilgung" mit ein: Vergesst die Getöten - streicht sie aus eurem Gedächtnis: "Glücklich ist - wer vergisst - was nicht mehr zu ändern ist" ... - so der Text zu einer abgenudelten Operettenschnulze von Johann Strauss in der "Fledermaus", bereits 1874 uraufgeführt. Mit dem Vergessen des Grauens hätte das Grauen seinen Zweck erfüllt. "Sinn" war ja - störendes Leben mit den Wurzeln gänzlich auszulöschen - ein für alle Mal - in Vergessenheit zu bringen - für eine "neue Zeit" ... Es ist anders gekommen: Im Sinne der Operette bin ich vielleicht sogar chronisch ein wenig "un-glücklich", weil ich nicht einfach "vergessen" mag, weil ich meiner Empörung Ausdruck verleihen will.
Nein - die Zeit wird reden. Und die Toten werden sprechen - in Fotos, in Briefen, in Aussagen, in Akten, auf "Stolpersteinen". Sie tanzen durch unsere Gedanken. Sie leben um uns herum.
Ich werde dem gewaltsamen Ableben meiner Tante Erna Kronshage im Februar 1944 hier in diesem Blog Stück für Stück nachspüren, soweit mir das gelingt. Und ich werde mich über das Unrecht empören.
Die, die davon wissen, sagen nichts. Ja - sie empören sich nicht einmal. Da gibt's doch nichts mehr zu sagen. Das war die Zeit. Ach ja - die Zeit war das damals. Und alle damals waren doch Kinder ihrer Zeit. Das alles ist doch nun mal erfolgreich verdrängt. Einiges muss man ruhen lassen. Nicht dauernd nachkarten, nachfassen, daran herumfleddern. Lasst es endlich mal gut sein.
"Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst", so hat Harald Welzer in Anlehnung an Jean Baudrillard allerdings erst in unseren Tagen formuliert: Das Vergessen des Grauens ist also von den Tätern, vom faschistischen System, implizit mitgedacht und mit bearbeitet worden - war quasi Sinn der Vernichtungsaktionen: "Ausmerze" - dieses faschistische Unwort schließt ja die endgültige "Tilgung" mit ein: Vergesst die Getöten - streicht sie aus eurem Gedächtnis: "Glücklich ist - wer vergisst - was nicht mehr zu ändern ist" ... - so der Text zu einer abgenudelten Operettenschnulze von Johann Strauss in der "Fledermaus", bereits 1874 uraufgeführt. Mit dem Vergessen des Grauens hätte das Grauen seinen Zweck erfüllt. "Sinn" war ja - störendes Leben mit den Wurzeln gänzlich auszulöschen - ein für alle Mal - in Vergessenheit zu bringen - für eine "neue Zeit" ... Es ist anders gekommen: Im Sinne der Operette bin ich vielleicht sogar chronisch ein wenig "un-glücklich", weil ich nicht einfach "vergessen" mag, weil ich meiner Empörung Ausdruck verleihen will.
Nein - die Zeit wird reden. Und die Toten werden sprechen - in Fotos, in Briefen, in Aussagen, in Akten, auf "Stolpersteinen". Sie tanzen durch unsere Gedanken. Sie leben um uns herum.
Ich werde dem gewaltsamen Ableben meiner Tante Erna Kronshage im Februar 1944 hier in diesem Blog Stück für Stück nachspüren, soweit mir das gelingt. Und ich werde mich über das Unrecht empören.
Marthas Aussage zum Ableben ihrer Schwester Erna Kronshage - (und eigentlich schon die ganze "Story" in Kurzform - wenn das nicht noch alles wesentlich komplizierter wäre ...):
„Sie starb an Lungenentzündung, ich meine in Stolp (Ostpreußen) - das hab ich immer noch so im Ohr - kann auch woanders gewesen sein, jedenfalls im Osten ...
[hier irrte Martha: Erna wurde nicht in Stolp sondern in Gnesen, damals Reichsgau Posen, in der damals so benannten Gauheilanstalt "Tiegenhof" ermordet - die Anstaltsbezeichnung "Tiegenhof" durch die NS-deutsche Polen-Besatzung von 1939-1945 hat nichts mit der gleichnamigen Ortschaft zu tun, heute polnisch "Nowy Dwór Gdański", 36 Kilometer südöstlich von Danzig an der Tiege (poln. Tuga) ...]... das war wohl so eine Irrenanstalt, ein Krankenhaus – na so eine Heilanstalt eben - Tiegenhof – so stand es in dem Telegramm, das Mama und Papa damals erhielten und auch auf den Siegelmarken, mit denen der Sarg verplombt war. Man hatte sie dahin verlegt. Vorher war sie ja in Gütersloh, da in der Heilanstalt. Das ging da zu Hause nicht mehr mit ihr. Unsere Mama musste sie ja damals wegbringen lassen. Von der Braunen Gemeindeschwester. So nannte man die damals vom NSV. Ach, ich weiß nicht mehr wie die hieß. Und dann soll Ernchen ja sogar mit einem Messer – ja - mit einem Messer herumgefuchtelt haben – im Jähzorn. Sie war so unzufrieden. Und wollte nicht mehr arbeiten. Aber Mama war doch auf sie angewiesen. Also so Genaues weiß ich auch nicht mehr. Das war ja alles eine schlimme Zeit, eine schlechte Zeit. Und die Männer waren alle an der Front – Vati, meine Brüder, meine Onkel – und Papa war ja auch wegen seines Asthmas kriegsuntauglich - aber er war ja auch schon über 60 Jahre alt. Und dann kam da eines Tages ein Telegramm, sie sei da im Osten plötzlich verstorben. Und Papa hat sich dann sofort dafür eingesetzt, dass Ernchen von da im Osten zu uns hierher überführt wurde. Und erst hat man gesagt, das ginge nicht, aber dann hat das wohl doch geklappt. Aber Mama hat darauf bestanden, in den Sarg zu schauen, wie Ernchen aussah, ob man was sehen könnte, als sie dann nach Zuhause überführt wurde. Ich hatte ja die kleinen Kinder und konnte nicht mit zur Beerdigung gehen. Und Heini, der hat dann den Sarg heimlich geöffnet. Der war nicht im Krieg, der war wohl freigestellt vom Fronteinsatz oder wie das damals hieß. Der war ja Tischler und hatte das Werkzeug, um den Sarg heimlich zu öffnen. Aber sie hätte noch gut ausgesehen, unser Ernchen – ich meine so als Leiche an sich. War ja auch sehr kalt auf der Fahrt. War im Winter – und dann ihre Leiche in einem Sarg - in einem Güterwaggon ... Der Überführungswaggon war damals wohl fast vierzehn Tage unterwegs - bis dass er hier ankam. Es war ja auch Krieg, und dann kam der ja aus dem Osten, das dauerte. Und die Züge wurden ja damals beschossen und angegriffen. Die mussten manchmal tagsüber in einem Waldstück auf dem Gleis stehen bleiben und in Deckung gehen – und konnten nur nachts ihre Fahrt fortsetzen. Der Waggon wurde einfach an andere Züge angehängt - bis er hier eintraf. Papa hatte darauf bestanden, dass seine Jüngste zu Hause im Heimatsand im Familiengrab beerdigt würde. Die haben wohl auch die Arme der Erna-Leiche nachgeguckt und die Ellenbeugen, aber da hat man keine Einstiche von Todesspritzen gesehen. Und da waren auch keine Wunden oder Operationsnähte zu sehen. Und, das hat Mama immer wieder erzählt, die Leiche selbst – also die Person - habe schlecht ausgesehen – Ernchen sei nur noch Haut und Knochen gewesen ...“
... soweit Marthas subjektive Wahrnehmung vom Geschehen um Erna ...
Fotos: Fichten am Mühlenkamp (privat) - "Mühlenkamp" - Wohnhaus der Kronshages in Senne II (privat) -




















































