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Vergangenheit in der Gegenwart

Vergangenheit in der Gegenwart

2 - "Todesursache unbekannt" ...





Schon oberflächlich betrachtet fällt an der bruchstückhaften und halbverdrängten Erinnerungsschilderung von Ernas Schwester Martha zum plötzlichen Tod dieser jungen Frau etwas auf, die ja dort in einer "Heilanstalt" im Osten angeblich an einer "Lungenentzündung" ums Leben gekommen sei - wie sich Martha das zumindest gut 40 Jahre später als Todesursache für sich zurechtgelegt hatte - dass nämlich die Familie scheinbar doch Gründe genug damals dafür hatte, solche offiziellen amtlichen Erklärungen anzuzweifeln und deshalb mit einer eigenen damals bestimmt illegalen und verschwiegenen laienhaften Inaugenscheinnahme selbst nachzuprüfen, ob man eben vierzehn Tage nach diesem plötzlichen Ableben  noch vielleicht offiziell verheimlichte Unregelmäßigkeiten, wie etwa Einstiche oder andere Manipulationen in der welken Leichenhaut oder irgendwelche Operationsnähte an dem Leichnam fand ... 

Nach der rigoros durchgeführten Zwangssterilisation misstraute die Familie anscheinend den amtlichen Angaben zum Ableben Ernas - und hatte ja auch allen Grund dazu ... 

Die Familie wollte sich nun eben selbst überzeugen, ob an den Gerüchten über die vielen zweifelhaften Todesfälle und auch den angeblichen Verwendungen als "Versuchskaninchen" der  Menschen dort in den Heilanstalten etwas dran war ... War doch Erna eigentlich körperlich kerngesund nur 484 Tage zuvor in die Anstalt in Gütersloh eingeliefert worden. Und nun dieses abrupte Ende, 630 Kilometer entfernt. Und die Kronshages wollten sich natürlich vergewissern, auch ob denn überhaupt tatsächlich die sterblichen Überreste von Erna in dem Sarg waren, der da auf den Krackser Bahnhofsgleisen in einem Packwaggon der Deutschen Reichsbahn nach 600 Bahnkilometern Überführungsweg angekommen war - und wofür sie ja alle "entstehenden Kosten" zu tragen hatten ...
  
Es ist aber auch möglich, dass man Ernas Leiche aus einem "amtlichen" Transportsarg nun in einen vielleicht sogar in der Schreinerwerkstatt vom Vater und Bruder selbstgefertigten Sarg umgebettet hat - und dabei diese von Zeitgenossen zweifelsfrei bezeugte Leicheninspektion durchführte - das lässt sich vom Ablauf her nicht mehr im Einzelnen rekonstruieren... 

Bei den Machenschaften damals (s. Stichwort "Millionen-Becker" *)) kann es sogar durchaus sein, dass Erna Kronshage womöglich bereits Anfang Februar 1944 umgebracht wurde - und der Termin erst nachträglich auf den 20.02.1944 umdatiert wurde ... - aber außer dem beurkundeten Todeszeitpunkt liegen in Tiegenhof/Dziekanka keine anderen amtlichen Unterlagen vor ...

Die "Leichenschau" zu Hause musste klammheimlich und ohne jedes Aufsehen geschehen - und dazu gehörte Mut und unbedingte Verschwiegenheit - und eine gehörige Portion "Verschlagenheit" in dieser NS-Zeit. Die Familie vermutete nämlich hinter vorgehaltener Hand, dass man den Leichnam der Jüngsten vielleicht für Versuchszwecke durch NS-Ärzte in der Ost-Anstalt missbraucht habe. 

Und man kann sich die Situation dieser privaten Leichenschau ausmalen, wie der Sarg da in der Schreinerwerkstatt von Papa Adolf im Mühlenkamp von ihm und seinem Sohn Heinrich geöffnet wurde, nachdem man ihn bei Nacht und Nebel aus dem "nach Bitten und Betteln" passend vor das Grundstück rangierten Packwaggon der Reichsbahn ausgeladen und gehievt hatte. Und einer stand an der Brettertüre und hielt Wache. Und Ernas Bruder Heinrich - für das Militär "uk-gestellt" - brach die Siegelmarken der Irrenanstalt am Sarg auf - auf denen der Reichsadler prangte. Und schraubte den Deckel ab, und inspizierte die Leiche in der schummrigen Beleuchtung. Wahrscheinlich hatten sie keinen Arzt geholt - und sie hätten wahrscheinlich auch keinen Arzt mobilisieren können - und wahrscheinlich war auch der Pastor nicht zugegen. Und Anna, die Mutter, die „Mama“ wie sie von allen elf Kindern zärtlich aber auch ehrfurchtsvoll genannt wurde, schaute ihnen bei der Begutachtung über die Schulter. Und alle Anwesenden stellten flüsternd laienhafte Diagnosen auf und gaben Beurteilungen ab.


















Das Ganze war ein makabres düsteres Motiv, wie es zum Beispiel bereits ähnlich von Rembrandt oder später auch von Picasso und dann von Käthe Kollwitz und im Norden von Edvard Munch erdacht und komponiert und zur Leinwand gebracht worden war: Hier diesmal der geöffnete Sarg auf zwei Böcken vor der Kulisse einer wändehoch reichlich ausgestatteten Tischler- und Schreinerwerkstatt mit offenen Regalen voller wohlgeordneter, im schummrigen Funzellicht dunkelglänzender Holzbearbeitungswerkzeuge - verschiedene Hobel, Winkel, Schlägel, Hammer, Raspeln, Stecheisen usw. Und nach der privaten Inspizierung wurde der Sarg dann auf der Deele des Mühlenkamps aufgebahrt, von wo die Leiche Erna Kronshages dann "offiziell" am Sonntag, dem 05.03.1944, mit der örtlichen Leichenkutsche abgeholt und zum Friedhof in Senne II gebracht wurde, wo die Beerdigung nachmittags um 15.00 Uhr stattfand.


Der "offiziell" amtlich mitgeteilten Todesursache mit "Allgemeine Erschöpfung" wurde von der Familie offensichtlich kein Glauben geschenkt. Man inspizierte und forschte...

Und doch: all diese Zweifel und all dieses Misstrauen und all die Aktivitäten schlugen sich in jener Zeit des Verschweigens, des Abspaltens und des Vergessen-Müssens lediglich als eine ganz "normale" Todesanzeige - 1-spaltig/60 mm hoch - in der Tageszeitung nieder ... eigentlich genauso wie die Todesanzeigen für die "Gefallenen" an der Front damals - nur das Zeichen des "Eisernen Kreuzes" fehlte: "Fern der Heimat starb plötzlich und unerwartet nach langer, schwerer Krankheit " - aber der in der Sterbeurkunde angegebene Todestag, der 20.02.1944, wurde verschwiegen... 
Und dabei hatte der Vater Adolf Kronshage doch eine "Krankheit" seiner Tochter Erna in vielen Briefen an die Anstalt Gütersloh und an die Erbgesundheitsgerichte stark bezweifelt und immer wieder auf eine Entlassung aus der Anstalt gedrungen - bis hin zum (wenigstens angedrohten) Widerstand - was in diesen Zeiten durchaus Mut und Zivilcourage erforderte ...

Lediglich im Sterbebucheintrag der Kirchengemeinde Senne II vom 05.03.1944 verzeichnete Pastor Holzapfel den Hinweis "Todesursache unbekannt. Sie starb in einer Anstalt für Geisteskranke in Tiegenhof, Krs. Gnesen" - zur damaligen Zeit sicherlich auch Ausdruck eines "stillen Protestes" - denn die amtliche Todesursache: "Erschöpfung" war ja dem Pastor durch die amtliche Sterbeurkunde durchaus bekannt ... s. auch Abschnitt 24:


"Todesursache unbekannt - Sie starb in einer Anstalt für Geisteskranke in Tiegenhof, Kr. Gnesen."

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Aber mit dem Tod des Vaters, "Papa" Adolf Kronshage, - 4 Monate später, im Juni 1944, mit 68 Jahren - verschwand der "kritische" Geist zum Ableben Ernas auch in der Familie oder wurde zumindest erfolgreich verdrängt. Im Weiteren wurde dieser als "eigenartig" und "plötzlich" erfahrene Tod Erna's schamhaft verschwiegen und nur auf ausdrückliche Anfrage bruchstückhaft und widerwillig kommuniziert.



Fotos: Von Oben nach Unten: Ansicht einer typischen Diele/Deele in Ostwestfalen-Lippe - ähnlich der im Mühlenkamp - Ouelle: Wikipedia/Wiki/Kalletal - Packwaggon der Deutschen Reichsbahn (verändert) (Google-Bildersuche) - Schreinerwerkstatt http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/63/Schreinerwerkstatt_Boos_Aulendorf.jpg - Siegelmarke "Irrenanstalt" Tiegenhof/Dziekanka, Gnesen, Provinz Posen (Privat) - Leichenschau Face = Verwendung eines Fotos von http://leichenschau.medicalpicture.de/ - Die heimliche Leichenschau (Verwendung Fotoausschnitte von "gute frage.net" & von (c) dpa/tz-online - V)




In den bürokratisch voll durchorganisierten Abläufen nach dem von der Zentralstelle der NS-"Euthanasie" T 4 (Tiergartenstraße 4) mittels der Tarnorganisation „Zentralverrechnungsstelle Heil- und Pflegeanstalten“ (ZVSt) (befasst mit  der Abwicklung der Kosten mit den Anstaltsträgern unter Leitung von Dietrich Allers und als Vertreter Hans-Joachim Becker [Stichwort: "Millionen-Becker" *) =] verfassten "Rundschreiben vom 10. 7. 1943, B. Ru 5, 'Merkblatt für die Aufnahmeanstalten von Geisteskranken aus anderen Reichsgebieten', Direktionsregistratur 1382/43, M. Abt. 209, WstLA" - wird das alles penibel genau be- und vorgeschrieben - z.B. unter VI. Verschiedenes - b): ...  
..."Leichenüberführungen: Bestehen Angehörige trotz der schwierigen Verkehrslage auf Überführung der Leiche, so haben sie alle entstehenden Kosten zu tragen."
*) Stichwort "Millionen-Becker": In seiner Aussage vom 4. März 1947 vor der Staatsanwaltschaft Kassel erklärte Becker: „Man hatte bei der Tötung von Geisteskranken an alles mögliche gedacht, aber auf dem Abrechnungssektor war eine Tarnungslücke übrig geblieben ... Ich wurde dringend gebeten, doch wenigstens dem Verwaltungsdurcheinander abzuhelfen ... Bei dieser Gelegenheit erkannte ich, wie völlig ahnungslos die offenbar alle aus Parteikreisen stammenden leitenden Persönlichkeiten in verwaltungsmäßiger Beziehung waren.“ Als Lösung schlug Becker die Gründung einer „Zentralverrechnungsstelle Heil- und Pflegeanstalten (ZVSt)“ als weiteres Schein-Unternehmen der Zentraldienststelle-T4 vor, die die Abrechnung mit den Kosten- bzw. Rententrägern zentral vornahm. Diese organisatorische Neuregelung brachte drei entscheidende Vorteile mit sich:
  • Arbeitserleichterung für die diversen Aufnahmeanstalten und Kostenträger
  • Ausgleich der unterschiedlichen Pflegesatzhöhen beim Anstaltswechsel
  • Beitrag zur Geheimhaltung des Krankenmordes, da den Kostenträgern die tatsächlichen Sterbeorte nicht mehr bekannt wurden.
    Nebenprodukt dieser Zentralisierung war weiterhin die Möglichkeit durch fingierte Sterbedaten noch für Zeiten nach dem Tod der Patienten die Unterbringungskosten von den Kostenträgern einzufordern. In der fortgeschrittenen Praxis wurde das offizielle Sterbedatum um etwa zwei Wochen über das tatsächliche Todesdatum hinausgeschoben. Die so gewonnenen „Mehreinnahmen“ beliefen sich auf eine erhebliche Höhe und trugen Becker den Spitznamen "Millionen-Becker“ ein.(WIKIPEDIA)

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