ERNA KRONSHAGE - 10-min. INFO-VIDEO

20 Jahre "Werden" und 17 Monate "Vergehen" - Dokumente und Belege

20 Jahre "Werden" und 17 Monate "Vergehen" - Dokumente und Belege
ERNA KRONSHAGE - geboren am Dienstag, 12.12.1922, "nachmittags 9 Uhr" (= 21.00 Uhr) in Senne II, Amt Brackwede, Landkreis Bielefeld (heute Bielefeld-Sennestadt) - am Samstag, 24.10.1942 Einweisung als "gemeingefährliche Kranke" in die Provinzialheilanstalt Gütersloh - am Mittwoch, 04.08.1943 zwangssterilisiert wegen "Schizophrenie" nach Beschluss in 2. Instanz des Erbgesundheitsobergerichtes Hamm - "verlegt" Freitag, 12.11.1943 "aus Luftschutzgründen" (im Rahmen der "Sonderaktion Brandt") in die Wojewodschafts-Anstalt für Psychiatrie "Dziekanka" (deutscher Name nach Okkupation "Tiegenhof") im Stadtgebiet Gnesen (Gniezno) / Bezirk Posen (Poznan)-PL, die von den deutschen NS-Besatzern von 1939-1945 zu einer Tötungsanstalt umfunktioniert wurde - am Sonntag, dem 20.02.1944, 09.30 Uhr, dort geplant umgebracht - wahrscheinlich durch gezielt verabreichte Hungerkost in Kombination mit Überdosierungen von Beruhigungsmedikamenten (nach dem sogenannten "Luminal-Schema", entwickelt und erprobt von Prof. Dr. Nitsche) im Rahmen der sogenannten "Wilden"/dezentral gesteuerten NS-"Euthanasie"-Aktionen - amtlich eingetragene Todesursache: "Vollkommene Erschöpfung" ----------------------------------------------- Quellen u.a.: Dr. Karl Teppe, Provinzialinstitut für Westfälische Landes- und Volksforschung - Wissenschaftliche Hauptstelle - Münster - Brief v. 16.01.1986 - Sterbeurkunde "Urzad Stanu Cywilnego" Gniezno-PL: Standesamt Gnesen Nr. 99. C/44 - Kopie Erbgesundheitsgerichtsakte Bielefeld XIII 31/43 Wg. 81-43 Gesundheitsamt Bielefeld-Land - Stadtarchiv Bielefeld, Frau Dr. Minninger u.a. - Nordrhein-Westfälisches Staatsarchiv Detmold - Anklageschrift gg. Lensch und Dr. Struve vom 24.April 1973, Az 147 Js 58/67, der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Hamburg, S. 338 ff. u. Sonderband Tiegenhof, Urkunden - Zastepca Dyrektora doc. Dr. Mieczyslaw Motas, Glowna Komisja Badania Zbrodni Hitlerowskich W Polcse Instytut Pamieci Narodowej, Warszawa PL, Brief vom 13.11.1986 - Hans-Jürgen Höötmann, LWL Archiv-Amt, LWL-Archiv - Literatur von Ernst Klee, Götz Aly, Bernd Walter, Franz-Werner Kersting, Karl Teppe, Hans-Walter Schmuhl, Jutta M. Bott, Heinz Faulstich, Rudolf Hans, Michael Wunder, Ulf Schmidt, Karolina Nowak u.a.

Virtuelles Mahnmal "GEDENKORT T4"

Virtuelles Mahnmal "GEDENKORT T4"
Virtueller Gedenk- und Informationsort NS-"Euthanasie" mit der abgedruckten Opferbiographie Erna Kronshage - (auf das Bild clicken) - und: http://gedenkort-t4.eu

Präambel

"Die letzten Forschungsergebnisse gehen nach dem Historiker Prof. Hans Walter Schmuhl von insgesamt fast 300.000 vergasten, vergifteten, zu Tode gehungerten Anstaltspatientinnen und -patienten und Heimbewohnerinnen und -bewohnern aus. Davon fast 80.000 Patienten aus polnischen, französischen und sowjetischen Anstalten. Da unsere Politiker, Psychiater und Theologen die Zwangssterilisationen an 350.000 bis 400.000 als "minderwertig" Beurteilten und die Tötung sogenannter "lebensunwerter" Menschen seither so gut wie ganz verdrängen, bleibt es uns Psychiatrie-Betroffenen bisher allein überlassen, die in Psychiatrien Ermordeten im Gedächtnis und im Herzen zu behalten. Darum ist ein Gedenken wie das heutige eine große Hilfe und Entlastung für uns."

Dorothea-Sophie Buck-Zerchin - Jahrgang 1917 -

Eine Zeitzeugin und Schicksalsgenossin von Erna Kronshage, die überlebt hat - und berichtet - und kämpft...

http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Buck



SINN UND NUTZEN DIESES BLOGS

Ehe das kurze Leben und lange Sterben ERNA KRONSHAGE's völlig in Vergessenheit gerät - wo es doch schon so viele Jahre verdrängt wurde - und ehe die Umstände ihrer "Erkrankung", ihrer Zwangssterilisation und ihrer Tötung lediglich datengeschützt in Archiven sicher verwahrt werden, aber ansonsten aus dem Blickfeld geraten - da ist es höchste Zeit dieses grausame Unrecht, das eine Vielzahl von Tätern aller Bildungsschichten Erna Kronshage und vielen anderen SchicksalgenossInnen zugefügt hat, für die Gegenwart zu rekonstruieren mittels Original- bzw. zeitgenössischen Dokumenten und Photograhien ...
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ZUR BEACHTUNG:
Ich hatte hier den tatsächlichen Namen meiner Tante Erna Kronshage zunächst anonymisiert mit "Erna K." dargestellt.
Im laufenden Text habe ich den Namen jetzt ausgeschrieben - damit die Leser die Person exakt zuordnen und die Darstellungen verifizieren können: ERNA KRONSHAGE.
In den reproduzierten Dokumenten jedoch werde ich den Namen KRONSHAGE mit K. abgekürzt dargestellt belassen - und auch dieses Blog wird weiterhin "erna-k-gedenkblog" heißen.
Also, immer wenn Sie - hauptsächlich in den Dokumenten - das Namenskürzel "K." lesen - lesen Sie einfach "Kronshage" ...
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Dieses Blog ist ein Lese-, Arbeits-, Meditations- und Materialblog - ein Mahnmal zum Betreten, Stöbern, Kopieren, Nachdenken -

- hantieren Sie damit herum,
- passen Sie es Ihren jeweiligen Bedürfnissen an.
- Sie dürfen gerne Zoomen (STRG + SCROLLEN)
- ggf. die BILDSCHIRMLUPE verwenden mit all ihren Möglichkeiten (Windows-Logo-Taste + U drücken)
- alles herunterladen - um ggf. Schrift, Farben, Ansicht und Schriftgröße Ihren Gewohnheiten anzupassen.

- Nehmen Sie sich bitte die Zeit zum Lesen aller 24 Abschnitte - einschließlich der Dokumentenreproduktionen - wenn nicht auf einmal hintereinander - dann vielleicht abschnittsweise - Stück für Stück -

Unten auf der Seite stoßen Sie jeweils nach ca. 5-6 Kapiteln/Posts/Abschnitten ggf. auf die "Links" Ältere/Neuere Posts/Startseite = hiermit können Sie weiternavigieren und weiterlesen! Beachten Sie, dass die dann bei einem Click erscheinenden Fortsetzungs-Posts/Abschnitte/Kapitel jeweils unter bzw. über dem immer gleichbleibenden (fixen)Seitenkopf/Seitenfuß erscheinen und neben der immer gleichen Sidebar - mit eben diesem Effekt könen Sie mit dem "INHALTSVERZEICHNIS" in den 24 Abschnitten und Episoden blättern und wählen. Die Abschnitte sind in die "richtige" fortlaufende - für Blogs aber eher unübliche - numerische und historische Ablauf-Reihenfolge gebracht worden ...

Sie können hier unter dieser Rubrik in der rechten Sidebar einen pdf-Flyer zum Blog öffnen und bei Bedarf ausdrucken und herunterladen ...

Wenn Sie auf die Fotos clicken, erscheint in den meisten Fällen eine Vergrößerung.
Unter den allermeisten Reproduktionen der Schriftdokumente befindet sich jeweils ein Link zum "Vergrößern" ... !!!

AM ANFANG DER BLOGSEITE BEFINDET SICH DAS 10-MIN. YOUTUBE-VIDEO ALS ZUSAMMENFASSUNG : "ERNA KRONSHAGE" MIT BILDSCHIRM IM GROSSFORMAT 600 x 485 px.
Hier können Sie mit Clicks auf den Bildschirm die Bildfolge für längere Standbilder unterbrechen ...
Sie können natürlich auch Inhalte Ihrer Wahl mittels Beamer an die Wand projizieren ...







Wegweiser und Navigationshilfe: Das Gedenkblog besteht aus 4 Blogseiten - mit insgesamt 24 Kapiteln

Wegweiser und Navigationshilfe: Das Gedenkblog besteht aus 4 Blogseiten - mit insgesamt 24 Kapiteln
Die "Autoplay"-Funktion im Musikvideo in der rechten Sidebar lässt sich durch Anclicken des Schalters ganz links unter dem Mini-Monitor abstellen - z.B. beim Betrachten des "Erna-Kronshage-Videos" am Ende der jeweiligen Blogseite

20 - "Sonderaktion Brandt": Ausgezählt nach dem "Aschenputtel-Prinzip" - Der Mensch wird zum Stückgut: Leukoplaststreifen zur Kennzeichnung zwischen den Schulterblättern ...


Nach allem, was wir heute wissen, konnte Erna Kronshage wahrscheinlich zu den 473 Frauen  der "Gruppe III" gezählt werden, jener vom Provinzialverband angeforderten Aufstellung nach den vorliegenden Melde- und Bewertungsbögen (= "für den Anstaltsbetrieb verwendbar...") - hatte der Anstalts-Direktor Hartwich doch erst ein paar Monate zuvor Erna Kronshage vor dem Erbgesundheitsobergericht in Hamm bescheinigt, sie arbeite in der Anstaltsgärtnerei doch "auch ganz fleißig mit".

Es folgen 2 Reproduktionen der diesbezüglichen einschlägigen "Zahlen"-Korrespondenz zwischen dem Provinzialverband und der Heilanstalt Gütersloh - Quelle: LWL, Dr. Walter) - mit der die Schicksale der Verlegungskandidaten in die Vernichtungsanstalten letztlich besiegelt wurden. Die Entscheidungen zwischen Leben und Tod  wurden also mit bürokratischen Nützlichkeitsabwägungen in Fallzahlen getroffen. Der Mensch selbst trat hinter diese Fallzahlanforderungen zurück.  

 

 

Zur Aufrechterhaltung der Anstaltsbetriebe mit dem neu eröffneten Lazarettbereich in Gütersloh benötigte man also nur 350 Frauen. 123 Frauen der besagten "Gruppe III" waren also "dabei über" und konnten somit auch "verlegt" werden.

Da Erna Kronshage in den Unterlagen der Provinzialheilanstalt, die wir einsehen können, immer mal wieder als "anmaßend" und "frech" und "renitent" und "unruhig in der Nacht" bezeichnet wird - und nicht zuletzt wegen der mutigen mehrfachen Eingaben und Einsprüche des Vaters Adolf Kronshage und seinem Wunsch auf rasche Anstaltsentlassung - das alles zusammen wird vielleicht den Ausschlag gegeben haben, dass Erna Kronshage mit auf diese Abtransport-Liste gesetzt wurde. Sie war arithmetisch "einfach über" - und mit ihr eben weitere 122 Frauen ...

Ja - der Rechenschieber - und eine willkürliche Zurechnung also - das Aschenputtel-Prinzip: "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen"  - "Eene meene muh und raus bist du!" entschieden hierbei über Leben und Tod - und hinzu kamen sicherlich urmenschliche Gründe wie "Sympathie" und "Antipathie" ...

Foto: NS-Propagandaplakat - theblackcordelias.wordpress.com

Für die Durchführung der Transporte am 12. November 1942 in diese weiter östlich gelegenen Anstalten teilte die Gekrat (damals nicht in Berlin - sondern in "Hösel bei Ratingen/Rhld." - als Unterabteilung einer effizienten "Eingreiftruppe" für Lazarettbetten-Beschaffung... - direkt dem Generalkommissar Prof. Dr. Karl Brandt unterstellt) am 28. Oktober unter dem Original Gekrat-Stichwort "Sonderaktion Brandt"*) mit:
"Sehr geehrter Herr Direktor Hartwich! Zum Abtransport Ihrer Kranken hat mir die Reichsbahndirektion für den 12. November einen Sonderzug zusammengestellt. Es gehen am 12.11.43 fünfzig Kranke nach Meseritz, fünfzig Männer und fünfzig Frauen nach Gnesen und hundert Frauen und vierzig Männer nach Warta b. Schieratz. Der Sonderzug läuft bis Posen und wird dort aufgeteilt. Er geht abends um ca. achtzehn Uhr in Hamm ab. Ich werde noch versuchen, den Zug in Gütersloh abfertigen zu lassen, ob es möglich ist, weiß ich noch nicht. Genauere Nachrichten übermittle ich Ihnen noch telefonisch, am Termin ändert sich nichts mehr. Die restlichen fünfzehn Kranken für Bernburg werden im Laufe des Novembers, nach vorheriger Verständigung mit Ihnen abgeholt und per Autobus nach Bernburg gebracht. Heil Hitler! gez.Sawall."

*) Die Bezeichnung "Sonderaktion Brandt" war zunächst ab Mitte 1943 sicherlich der Sammelbegriff für Adhoc-Maßnahmen zur raschen Bereitstellung von benötigten Lazarettbetten-Kapazitäten für den Ernstfall - z.B. nach massiven Bombenangriffen der Alliierten im Ruhrgebiet 1943/44 und für verwundete Soldaten an der Ostfront (Stalingrad).
Diese Kapazitäten ergaben sich natürlich am Besten in vorhandenen Anstalts- und Klinikbereichen bei dort gegebener ärztlicher und pflegerischer Versorgung, in dem die bis dahin dort Betreuten rechtzeitig prophylaktisch oder reaktiv adhoc verlegt wurden.

Für eine solche rasche "Austausch"-Aktion zeichnete nun Prof. Dr. Karl Brandt neuerdings als Generalkommissar und Begleitarzt Hitlers allein voll verantwortlich - und gab entsprechende Order in Form seiner typischen ambivalenten "Distanzierten Entscheidungsfindung" (wie Ulf Schmidt diese Art von indirekter Weisungserteilung nennt) über seine alten ihm unterstellten "Seilschaften" wie der "T4"-Tarnorganisation, nun aber zumeist recht dynamisch, mündlich - ohne langfristige vorbereitende Planung - vorbei an alle bisherigen "Dienstwege", unter Umgehung aller zäher Bürokratie - mit einer neu gebildeten "Eingreif-Truppe" in Hösel bei Ratingen/Düsseldorf.
Dabei wurde in der Logistik zu solchen Aktionen der "Gnadentod", die "Ausmerze", die "Desinfektion" in den "Verlege"- bzw.Tötungs-Anstalten der unter einer solchen Prämisse "verlegten" Patienten "notwendigerweise", ohne jede Alternative, stillschweigend billigend in Kauf genommen und einkalkuliert - ansonsten gingen solche raschen Adhoc-Entscheidungen in ihrer internen arithmetischen Logik gar nicht auf.
Man tat nach außen übereifrig alles für die Kriegsverletzten, und opferte dafür stickum die psychisch Kranken und andere.
Somit wurde der Begriff "Sonderaktion Brandt" gleichermaßen ein Synonym für viele nun tausendfach "dezentral" organisierte, aber zentral angewiesene und verantwortete Krankenmorde in den Verlege-Anstalten - eine Fortsetzung der NS-"Euthanasie" unter anderen hehren Vorzeichen.
Ob diese "tödlichen Konsequenzen" und Zusammenhänge den Handelnden vor Ort überhaupt noch bewusst geworden sind, sei mal dahin gestellt. (Literatur hierzu insgesamt in: Ulf Schmidt: Hitlers Arzt Karl Brandt, 2009)
In der einschlägigen Historiker-Literatur zum Thema "Krankenmorde/NS-"Euthanasie" wird immer wieder die Bezeichnung "Aktion Brandt" diskutiert als "missverständlich" und nicht originär aus der NS-Zeit rezipiert - aber hier abgebildet, in einem "zeitgenössischen Dokument" von der Gekrat, ausdrücklich als "Sonderaktion Brandt" benannt - und z.T. wird dann diese Phase der Krankentötungen (nach Wikipedia im Abschnitt "Kindereuthanasie: Phasen der NS-"Euthanasie") "nach neuesten Forschungen" angeblich gar nicht mehr zum Komplex "NS-Euthanasie" gezählt ... (?)
Damit differenziert man dann begrifflich zwischen den "echten", den "halbechten" oder sogar den "falschen" Krankenmord-Opfern. Allerdings - wie mit dem Begriff "Euthanasie" (= "schöner Tod") für brutale Krankenmorde - wird dann letztlich den ursprünglichen Verschleierungs-Intentionen der NS-Mörder und ihrem Sprachgebrauch Folge geleistet -: Man hatte ja die in der Öffentlichkeit allmählich publik gewordene und aufgeflogene "T4"-Aktion eingestellt, aber nur, um dann alle weiteren diesbezüglichen Mordaktionen insgesamt etwas mehr zu dezentralisieren und zu verheimlichen und unkenntlich zu machen - und die Todesursachen der massenhaften Opfer als "natürlich" hinzustellen.

Die Sterberate fast aller Verlegungstransporte, die der "(Sonder-)Aktion Brandt" aus Westfalen zuzuordnen sind, lag meist bei über 80%, die Anstaltssterbequote in Tiegenhof betrug in den Jahren 1939-1945 jährlich fast 70 % [ca. 1000 Bettenplätze Kapazität = ca. 3.600 Opfer in ca. 5,5 Jahren] - in Friedenszeiten bei "normaler Kost" betrug die Sterberate ca. 3 bis 5 %.
Diese unsinnigen Begriffs-Diskussionen der nachgeborenen "Historiker"-Generation und deren Erbsenzähl-Spiele ("echte" NS-"Euthanasie" - weniger "echte"...) folgen damit jener NS-Absicht, die Tötungsfakten und -gründe zu verschleiern und noch einmal zu differenzieren oder gar abzustufen in ihren jeweiligen Scheußlichkeiten.
Es wird immer wieder behauptet, Götz Aly habe diesen Begriff "Aktion Brandt" allein zur Unterscheidung von der so genannten "Wilden Euthanasie" selbstständig eingeführt und präzisiert. Auf diesem hier auch in der Vergrößerung reproduzierten Anschreiben der damals nach wie vor zentralgesteuerten Gekrat-Organisation (Herr Sawall) vom 28.10.1943 - finden wir nun ausdrücklich die Bezeichnung "Sonderaktion Brandt".
"Die gesamte Transportorganisation [der Verlegungstransporte 43/44] rangierte unter dem Decknamen 'Sonderaktion Brandt'. Dieses Stichwort findet sich auf allen Briefen der Anstalt Gütersloh an die Gekrat, die die vorübergehende Einschränkung der Lebensvernichtung 1941 überlebt hatte, ...die Beteiligung der Gekrat, ... hätte den Verdacht aufkommen lassen müssen, daß nicht nur der Luftschutz und damit der vorgetäuschte Schutz der Patienten vor den Kriegseinwirkungen der alleinige Grund für die Verlegung war." (Rudolf Hans: Psychiatrischer Alltag im Nationalsozialismus, unveröffentl. Hausarbeit, Bochum 1983, S. 71/72).
"Die Gemeinnützige Krankentransport GmbH (kurz: Gekrat) war ein nationalsozialistischer Tarnname, der jene Unterabteilung der Organisation T4 bezeichnete, welche im nationalsozialistischen Deutschen Reich für den Transport von kranken und behinderten Menschen verantwortlich war, die im Rahmen der NS-Rassenhygiene ermordet wurden." (
http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinn%C3%BCtzige_Krankentransport_GmbH)

Das lässt ziemlich zweifelsfrei darauf schließen, dass es sich bei der Bezeichnung "Sonderaktion Brandt" auch um einen "gewöhnlichen" Tarnnamen für eine weitere, zwar dezentral ausgeführte, aber zentral geplante NS-Krankenmord-Phase gehandelt hat, wie Aly das richtigerweise schon in den 80er Jahren umschrieben hatte (siehe dazu insgesamt auch: http://www.doew.at/thema/euth/schwarz2.html und http://www.lwv-hessen.de/files/266/Sandner_Verwaltung_5_Seite_511-690.pdf S. 587/588 und http://de.wikipedia.org/wiki/Kinder-Euthanasie#Phasen_der_NS-.E2.80.9EEuthanasie.E2.80.9C).






Aus einem diesbezüglichen Schreiben zu einem Transport der Alsterdorfer Anstalten - in Gütersloh sah das bei der Gleichschaltung der Bürokratie und der gleichen zentral operierenden Abteilungen der Organisation T4/GEKRAT sicherlich ähnlich aus.



"Die Markierung der Kranken" sollte mit einem "Leukoplaststreifen zwischen den Schulterblättern" erfolgen.
(Fotomontage: privat)

Sogar der Wortlaut des Schreibens, mit dem die Angehörigen zu benachrichtigen waren, wurde vorgegeben:

"Aufgrund eines Erlasses des zuständigen Reichsverteidigungskommissars wurde heute der Pflegling... durch die Gemeinnützige Krankentransport GmbH in eine andere Anstalt verlegt, deren Name und Anschrift mir noch nicht bekannt sind." (so ähnlich wir das Standardschreiben auch aus Gütersloh gelautet haben...)




































(GEKRAT-Abholbusse zum Bahnhof - hier in Grafeneck und Hartheim)

 






















(Fotos: Google-Bilderdienst - zeitgenössische Motive Transport mit der Reichsbahn)






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