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Vergangenheit in der Gegenwart

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22 - Sterberate über 70 %

Die unmittelbar Beteiligten in Tiegenhof/Gnesen - Dziekanka/Gniezno: "Was sie waren - was sie wurden" ...

Die unmittelbar Beteiligten "vor Ort" Ende 1943 /Anfang 1944 - beim gewaltsamen Tod von Erna Kronshage in Tiegenhof/Gnesen - Dziekanka/Gniezno - waren nach der einschlägigen Literatur (Ernst Klee: Was sie taten - Was sie wurden, Fischer TB 1986 - und die Staatsanwaltschaftlichen Unterlagen zur "Anklageschrift gegen Lensch und Dr. Struve - vom 24. April 1973 - Az 147 Js 58/67"):
der Direktor der Vernichtungsanstalt, der immer wieder nach Berlin abkommandiert wurde als "übereifriger" Gutachter (zumindest von 1941 bis Mitte 1942 - und wohl auch wieder in 1943) - gerät erst 1961 ins Blickfeld der Justiz. Am 8.8.1961 ergeht ein Haftbefehl. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch nur bekannt, dass er Kranke und KZ-Häftlinge (u. a. in Dachau) selektiert hat. Als er am 24. August 1961 - schonend - vernommen wird, schützt ihn bereits ein amtsärztliches Gutachten:
"....Herr Ratka [kann] weder als haftfähig noch als transportfähig beurteilt werden. Die Haftfähigkeit ist auch nicht in einer Anstalt mit Krankenstation gegeben. Die Transportunfähigkeit hat auch für Einzeltransport mit Krankenwagen zu gelten."
Ratka, nach dem Krieg in Kassel als "Mitläufer" entnazifiziert, hat seinen Lebensabend als Pensionär (mit den Ruhebezügen eines ehemaligen "deutschen" Anstaltsdirektors) im Badischen verbracht. Er ist am 5. April 1966 in Heitersheim verstorben.
  • Dr. Walter Kipper, geb. 06.08.1897 in Radautz
Leiter der "Kinderfachabteilung" Tiegenhof, "war einer der Verantwortlichen für die Organisation des Systems der sog. wilden Tötungen" (Staatsanwaltschaft Hamburg) - vom Reichsstatthalter Warthegau und der Präsidialkanzlei des Führers für "Kriegsverdienstkreuz II. Klasse" vorgeschlagen - Begründung: "Er hat vornehmlich bei der Durchführung von erbbiologischen wichtigen Sonderaufgaben an hervorragender Stelle mitgewirkt." Nach 1945 Amtsrat und Sanitätsrat in Gmunden in Österreich. Das Bundesministerium für Inneres in Wien (Az. 54.354-18/66) am 29.03.1966 an das Landgericht Frankfurt a.M.: "Obwohl Dr. Kipper durch Dr. Ratka konkret belastet wird, für die Kindertötungen in der Anstalt Tiegenhof verantwortlich gewesen zu sein, erscheint diese Aussage in Bezug auf die Tatausführung durch Dr. Kipper etwas dürftig und als nicht ausreichend, um zielführend an letzteren herantreten zu können." (Quelle: StA Hamburg, Az. 147 Js 58/67) -
Einen Einblick in die Nachkriegskontakte bietet ein Brief Kippers an Ratka vom 2.6.55: "Die Anschrift von Herrn Dr. Friemert bekam ich zugleich mit Ihrer... Er kam mit einem Treck nach Potsdam, Berlin, Dänemark, Schleswig, war zuerst Betriebsarzt, dann praktischer Arzt, seit 1952 ist er wieder beamteter Arzt beim Versorgungsamt Hannover... Er erinnert sich gut an mich, sandte mir unaufgefordert eine eidesstattliche Versicherung... Ich bekam von Herrn Dr. Friemert auch noch zahlreiche andere Anschriften, so von Landesoberverwaltungsrat Freier, Landeshauptmann Robert Schulz, Landesrat Dr. Neumann-Silkow, Dr. Nikolajew (Uelzen) usw..." (Dokument aus Verfahrensakten Js 10/65 GStA Ffm.). Der im Brief erwähnte Landesoberverwaltungsrat Freier war bei der Gau-Selbstverwaltung Wartheland Referent für das Sachgebiet "Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten- Personalangelegenheiten der Haupt- und Sonderverwaltungen, Anstalten und Einrichtungen". Er wurde nach dem Kriege Oberverwaltungsrat in Holzminden - so die Anklageschrift der StA Hamburg 147 Js 58/67 (zu Dr. Friemert - s. Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, 2007 - und: Was sie taten - Was sie wurden, 1986).
Quelle: auf die Abb. clicken ..
  • Dr. Wahrhold Ortleb
war Ratkas Vertreter in den Jahren 1942/1943 (vielleicht auch noch zur Ankunft Erna Kronshages). Ortleb war bereits am 15.08.1960 verstorben als die Staatsanwaltschaft in den 60er Jahren auf ihn aufmerksam wurde.
  • Dr. Astrid Praetorius, geb. Stephanie
war gerade bei der Ankunft von Erna Kronshage noch Ärztin auf der "Frauenseite" von Tiegenhof (bis November 1943). Sie gab nach dem Krieg an, Dr. Ratka "sei ein Choleriker" gewesen. Von Tötungen*) in Tiegenhof sei ihr nichts bekannt geworden. Nach dem Krieg arbeitet sie weiterhin in Ulm als Ärztin.
  • Dr. Paul Tschernay
arbeitet ab 16. Oktober 1943 in Tiegenhof, also ebenfalls bei Anwesenheit von Erna Kronshage. Von "unnatürlichen Todesfällen" *) in Tiegenhof wusste er späterhin nichts. Er praktizierte nach 1945 in Bad Pyrmont als Leiter eines Sanatoriums.
  • Oberpfleger und Pflegevorsteher Wilhelm Jobst, geb. 26.09.1886 in Dahlenrode Krs. Göttingen
er "sortierte" die Patienten in der "Sammelstelle" Tiegenhof zur Vernichtung bzw. zur Arbeit aus. Er war nach Aussagen von Zeugen bei der StA Hamburg auch unmittelbar für die Tötungen (zumindest auf der "Männerseite") zuständig. Auch er wurde 1942 für die "Kriegsverdienstmedaille" vorgeschlagen.
  • Oberpflegerin und Pflegevorsteherin Maria Lüdtke
war auf der "Frauenseite" zuständig. Sie arbeitete nach dem Krieg als Oberpflegerin in Düren.
  • Oberin Wieczorek
nach dem Krieg Oberpflegerin ebenfalls in Düren.
  • Oberpflegerin Wiedenhöft
seit März 1940 in der Todesabteilung V - Frauen - tätig. Nach 1945 arbeitet sie als Oberpflegerin in Gütersloh.
  • Pflegerinnen Klotz, Klopp, Wilke, Anna Stosik, Hadenfeldt geb. Nowak, Querner geb. Behnke, Schark - waren auf der "Frauenseite" zum Todeszeitpunkt von Erna Kronshage tätig - auch sie waren nach dem Krieg teilweise in Süchteln bzw. in Hadamar tätig, soweit das zu recherchieren war.
*) Viele der hier genannten Mitarbeiter in Tiegenhof/Dziekanka haben sich bei staatsanwaltlichen Befragungen nach 1945 bis in die 60er Jahre hinein nicht an "unnatürliche Tötungen" erinnern können: 

Von Ende 1939 bis Anfang 1945 sind in Tiegenhof/Dziekanka nach offiziellen Angaben der jetzigen Klinikleitung auf deren Homepage fast 3.600 Menschen umgebracht worden - also ca. 700 Personen pro Jahr - das sind durchschnittlich fast 2 Tote pro Tag - in einer Einrichtung mit einer Belegungszahl von etwas über 1.000 Menschen ... entsprach das einer durchschnittlichen Sterberate von mindestens 70 %. 

Gerade "die Anstalt Tiegenhof (Dziekanka) in Gnesen galt bis zur deutschen Machtübernahme als eine der fortschrittlichsten in Polen. Die Sterblichkeitsrate betrug dort lediglich 1 – 2% und gehörte somit zu den niedrigsten weltweit" (Karolina Nowak: Die Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ im Reichsgau Wartheland 1939-1945, Magisterarbeit, Freiburg 2009 - S.49).
























Text der Gedenktafel in Deutsch:
Zu Ehren der Gefallenen und ermordeten
Mitarbeiter und Patienten von der Abteilung
für Psychiatrie - Dziekanka -
in den Jahren der Besatzung, 1939-1945 -
Mitarbeiter der Abteilung, August 1948

(Immerhin - bereits 1948 ein Zeichen des Gedenkens ...)










































(Fotos von Oben nach Unten: Frauenpavillon in Dziekanka/Tiegenhof; "Todeszimmer" Frauen - die Fenster; "Todeszimmer" Frauen - die offene Tür in Dziekanka/Tiegenhof; Todeszimmer mit "Todesspritzen-Besteck auf dem Tisch, hier in Auschwitz - ähnlich wahrscheinlich als NS-Standard in Tiegenhof/Dziekanka - Gedenktafel der NS-Euthanasie-Opfer in Dziekanka/Tiegenhof 1939-1945 - ORIGINAL-REPRODUKTION DER STERBEURKUNDE vom Standesamt Gnesen / Kopie vom Standesamt Gniezno: "Urzad Stanu Cywilnego" Gniezno (Zum Vergrößern draufclicken)  - Sarg: Überführungssarg - Zug: "Zug der Erinnerung"-google-Bilderdienst
Fotografik nach einem Filmstill aus "Nebel im August", 2016

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2011 hat das MUZEUM MARTYROLOGICZNE W ZABIKOWIE ein Gedenk-VideoFeature mit dem Titel "Tiegenhof" - besonders für die 1.044 polnischen NS-"Euthanasie"-Opfer zu Beginn der Okkupation (1939-1941) - gedreht, das in die Atmosphäre dieser Vernichtungs-Anstalt zu diesem Zeitpunkt eindringt - und sich auch den insgesamt wohl über 5.000 Opfern hier zwischen 1939 und 1945 annimmt ...
http://www.zabikowo.eu/multimedia/162-tiegenhof - übersetzt ins deutsche mit Google-Translator


Titel des DVD-Begleittext-Flyers (polnisch)

[] Vollbild clicken




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