Heutzutage wäre Erna Kronshages Verwirrung wahrscheinlich als eine vorübergehende
- "Null-Bock-Phase", eine vorübergehende
- "Depressive Verstimmung", ein
- "Burn-out-Syndrom"/ als "Überforderung", (seit Kindesbeinen die gleiche eintönige schwere Arbeit bei hoher Begabung), als eine
- "Adoleszenz-Krise", (Erna Kronshage war noch keine 20 Jahre alt), als
- "Posttraumatische Belastungsstörung" (Bomben-Angriff auf das Nachbargehöft wie aus "heiterem Himmel")
eingeordnet worden.
Und was 1942 "im Volksmund" womöglich folgendermaßen beschrieben wurde:
- "Jugendwahn",
- "Grillen im Kopf"
- "eine Pubertäts-Auszeit", sie wurde als
- "Verdreht", als
- "Überspannt" bezeichnet, oder irgendwie
- "überwältigt von der Fremdheit vor sich selbst", wie Jürgen Schreiber das für Gerhard Richters Tante Marianne Schönfelder, einer Schicksalsgenossin Erna Kronshages, im Buch "Ein Maler aus Deutschland" (s. Sidebar rechts) wahrscheinlich sehr zutreffend und einfühlsam formuliert hat.
Aber das alles, was von einem "gesunden [sic!] Menschenverstand" mit so vielen gewiss harmloseren und vorübergehenden Inhaltsattributen bezeichnet werden konnte und laienhaft als "(nor-)mal vorkommend" empfunden wurde, war diesen Rassenhygienikern, diesen studierten "Experten" als den praktizierenden NS-Psychiatern eine unumstößlich diagnostizierte "Schizophrenie", festgestellt ebenda von den (ost-)westfälischen "Koryphäen" nationalsozialistischer Psychiatrie, wie Dr. Werner Hartwich, Dr. Werner Norda, Dr. Benno Holthaus, Dr. Siebert, Dr. Brandis, Dr. Pohlmann, Dr. Angenete u.a. - eine "unheilbare Erbkrankheit" ...
Foto links:
Provinzial-Obermedizinalrat
Dr.med. Werner Hartwich
Direktor der Provinzialheilanstalt Gütersloh
1934-1945
Foto: Titel des Reichsgesetzblattes vom 25.Juli 1933: Veröffentlichung des Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwucheses. Vom 14.Juli 1933 - In Kraft getreten am 01.Januar 1934
•Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurde bereits kurze Zeit nach der Machtergreifung am 14. Juli 1933 als erstes Rassegesetz verabschiedet und trat im Januar 1934 in Kraft. Die Nationalsozialisten wollten, dass die Opfer des Gesetzes keine Möglichkeit hatten, der einmal beschlossenen Sterilisierung zu entgehen.
Die Idee des Gesetzes war durch und durch rassistisch: "Ziel der dem deutschen Volk artgemäßen Erb- und Rassenpflege ist: eine ausreichende Zahl Erbgesunder, für das deutsche Volk rassisch wertvoller, kinderreicher Familien zu allen Zeiten. Der Zuchtgedanke ist Kerngehalt des Rassengedankens. Die künftigen Rechtswahrer müssen sich über das Zuchtziel des deutschen Volkes klar sein."
So der Kommentar: Gütt, Arthur - Rüding, Ernst - Ruttke, Falk: Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 nebst Ausführungsverordnungen, 2. Auflage München 1936, S. 55.
Reproduktionen aus der Kopie der Erbgesundheitsgerichtsakte zum Verfahren der Zwangssterilisation von Erna Kronshage -
- •(1) Wer erbkrank ist, kann durch chirurgischen Eingriff unfruchtbar gemacht (sterilisiert) werden, wenn nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass seine Nachkommen an schweren körperlichen und geistigen Erbschäden leiden werden
- (2) Erbkrank im Sinne dieses Gesetzes ist, wer an einer der folgenden Krankheiten leidet:
- •angeborenem Schwachsinn,
- •Schizophrenie,
- •zirkulärem (manisch-depressivem Irresein),
- •erblicher Fallsucht,
- •erblichem Veitstanz (Huntingtonsche Chorea),
- •erblicher Blindheit,
- •erblicher Taubheit,
- •schwerer erblicher körperlicher Missbildung.
- •(3) Ferner kann unfruchtbar gemacht werden, wer an schwerem Alkoholismus leidet.

Zum Vergrößern: http://picmirror.de/bild.php/47634_antraunfru.jpg
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Zu diesen Notierungen sei festzuhalten, dass Erna Kronshage in ihrem bis dahin kurzen Leben noch nie von Zuhause fort war - dass sie die gängigen zeitgemäßen Konventionen bei einem Aufenthalt in Krankenhäusern, Kliniken, Anstalten usw. nicht kannte. Erna war gesellschaftlich ungewandt - sie war schüchtern, voller Scham über das, was ihr da geschah - und völlig ungeübt im Umgang mit Fachautoritäten, Parteigrößen usw.
Fotos: Provinzialheilanstalt Gütersloh Luftbild 1936, Gütersloh: Frauen-Abteilungen (Letztere zeitgen. Ansichtskarten)
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