In der Schulzeit war Erna Kronshage ein fröhliches offenes, ausgeglichenes und fleißiges Mädchen, im Unterricht selbst gar ein „Rennpferd“, wie sie von ihrer damaligen Mitschülerin noch fünfzig Jahre später bezeichnet wurde. Ihr Notenschnitt, der damals kaum eine Rolle spielte, lag bei 1,78 ...
Am Tag der „Nationalen Arbeit“, am 1. Mai 1933, Erna war damals gerade erst zehneinhalb Jahre alt, wurde in der Gemeinde Senne II dieser neue Geist der NSDAP sichtbar und einmütig gefeiert. Genau auf der Spitze des so im Volksmund genannten „Verler Dreiecks“, wo die beiden Sandstraßen aufeinander trafen (heute Altmühlstraße und Verler Straße) hin zum Bahnhof Kracks, die eine aus Richtung Gaststätte Eikelmann und die andere aus Richtung Gaststätte Ramsbrock, vor dem Hofeingang, vielleicht sechzig Meter vom Mühlenkamp entfernt, wurde von der Hitlerjugend eine „Hitlereiche“ gepflanzt.
Zum Ende von Ernas Schulzeit 1937 kann man sich in der dreizügigen 1. Gemeindeschule von Senne II im Kreis Bielefeld durchaus Situationen als Abbilder dieser jüngsten gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen in der Gesellschaft auch im Schulalltag vorstellen.
Im Mühlenkamp, wo man Erna benötigte - und wo man jemanden zum "Schicken" brauchte, zum Mitanpacken, damit man durch den Alltag kam, dachte man gar nicht an eine "Ausbildung" für Erna, wie sie heutzutage vielleicht für junge Frauen üblich ist. Mama Anna mochte sich von der "Kleinen", dem "Hauspüngel" nicht trennen - zum einen natürlich wegen der dringend notwendigen Mithilfe - die Söhne waren alle im Arbeitsdienst und in der Wehrmacht - oder uk-/bzw. "ZbV" ("Unabkömmlich - Zur-besonderen-Verwendung")-gestellt - zum anderen aus schieren "Verlustängsten" - nicht auch noch die "Letzte"/die "Jüngste"/die "Kleinste" hergeben ...
Während sich die Kinder und Jugendlichen verschiedener Couleur in ihren angestammten Gruppenräumen unter ihren jeweiligen Bannern versammelten, mit dem Fahrrad zum nächstgelegenen Treffpunkt fuhren oder gar mit dem Zug in die nächstgelegenen Orte unterwegs waren, immer mit Altersgenossen auch vom jeweils anderen Geschlecht, hatte sich Erna in ihrer Arbeit und in ihrer Mithilfe auf dem Mühlenkamp im Dienst an ihren Eltern zu vergraben.

Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler hatten sich längst entschieden und sich angepasst und arrangiert oder aber sich schmollend in die hintere Ecke mit den jeweiligen Mitstreitern verzogen. Erna zögerte noch, sich einzupassen, sich zuzuwenden, einen Standpunkt anzunehmen. Überhaupt war das wahrscheinlich ihre Grundproblematik, einen eigenen originären Standpunkt für sich zu finden in kontroversen Fragestellungen. Dazu bedurfte es eines starken unbedingten Ichs.
Fotos: Von Oben nach Unten: Pflanzen einer "Hitler-Eiche" am 01.05.33 in Hattingen - Deutsches Historisches Museum - DHM / Berlin, PK 95/663 - NS-Maifeier in Alfeld (Fotoausschnit Stadt Alfeld) - 1. Gemeindeschule Senne II, Bild um 1960 - - Unterrichtsszene I - Schulentlasszeugnis Erna K. - Unterrichtsszene II, Quelle: www -
...und zum "Andenken" an die Schulzeit bekam Erna Kronshage vielleicht auch diese "Urkunde" ...
NS-Werbung Arbeitsdienst Mädchen: "Pflichtjahr"
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In der Nacht vom 09. auf 10. November 1938 brannte auch in Bielefeld die Synagoge der jüdischen Gemeinde nach den gezielten Brandstiftungen und Plünderungen durch die dafür abkommandierten NS-Trupps - den "Novemberpogromen", der sogen. "Reichskristallnacht". Diese Vorkommnisse wurden bestimmt auch in Senne II diskutiert - und die Berufspendler vom Bahnhof Kracks werden auf dem "Mühlenkamp"-Hof von diesem Ereignis berichtet haben ...
Hier das Bild der brennenden Synagoge in Bielefeld - und der dazu angefertigte Brandbericht der Städtischen Feuerwehr:
Quelle: "bielefeld.de" und "SPIEGEL" Nr. 47 v. 22.11.2010












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